Katharina Oswald mit tollem Debüt beim Berlin Marathon

30/09/2019

Katharina Oswald, Bachir Benouaret und Joachim Schlaier gingen am Sonntag bei der 46. Auflage des größten deutschen und gleichzeitig weltweit schnellsten Marathons auf die Straßen der Hauptstadt. Besonders für die 21-jährige Katharina waren die 42,195 Kilometer bei ihrem Marathon-Debüt ein ganz besonderes Rennen.

 

Über 46.000 Läufer waren für die 46. Ausgabe des Marathons der Superlative gemeldet. Damit stellte die diesjährige Ausgabe des Berlin Marathons einen neuen Teilnehmerrekord auf. Ein neuer Weltrekord schien nach dem Fabelrennen von Ausnahmeläufer Eliud Kipchoge im Vorjahr kaum realistisch. Der Äthiopier Kenenisa Bekele sollte die gesamte Laufszene allerdings eines Besseren belehren – auch wenn es am Ende um zwei Sekunden nicht ganz reichte. Für Katharina Oswald, Bachir Benouaret und Joachim Schlaier stand der Berlin Marathon 2019 unter drei sehr unterschiedlichen Vorzeichen.

 

Für die 21-jährige Rusterin Katharina war es der aller erste Start über die Königsdistanz. Bachir ging nach vielen starken Rennen - zumeist über die 10-km-Distanz – in diesem Jahr sehr ambitioniert in seinen vierten Marathon nach Dubai, Frankfurt und Paris. Joachim stand sogar schon zum 29. Mal am Start der 42,195 Kilometer und war auch in Berlin längst schon als Wiederholungstäter dabei. So unterschiedlich die Erfahrungen waren, so gleich war die Marschroute: Richtung persönlicher Bestzeit bzw. dem hochgesteckten Ziel beim Debüt.

 

Um 9:15 Uhr fiel auf der Straße des 17. Juni der Startschuss für das Rekordfeld, das sich auf den Weg durch die Hauptstadt machte. Bei nahezu idealen Bedingungen wurden auch die letzten Läufer teilweise rund eine Stunde nach der Spitze auf die Strecke geschickt. Im Laufe des Rennens sollte sich dies ändern, da für das Gros der Starter fast die gesamte zweite Hälfte im Regen zu laufen war.

 

Bachir 30 Kilometer lang stark unterwegs beim Berlin Marathon

 

Schon von Beginn an ließ Bachir keine Zweifel daran, dass er auf den Straßen Berlins alles versuchen möchte, seine Bestzeit von 2:44:15 Stunden aus dem Frühjahr vom Paris Marathon deutlich zu unterbieten. Die Form stimmte, wie er zuletzt beim Sieg in Haslach beim Kinzigtallauf einmal mehr beweisen konnte. Doch schon dort erschwerten ihm Schmerzen in der Achillessehne das Training. Auch die Kürze der spezifischen Vorbereitung auf Berlin war nicht ideal. Bachir hatte ursprünglich nicht damit gerechnet, durfte jedoch als glücklicher Gewinner eines Startplatzes die 42,195 Kilometer lange Reise doch noch antreten.

 

Sehr schnell startete er in seinen vierten Marathon und passierte die Halbmarathon-Marke bereits nach 1:18:25 Stunden, womit er weit unter seiner Bestzeit lag. Auch die folgenden Kilometer absolvierte er, ohne sehr stark an Tempo einzubüßen. 30 Kilometer lang lag Bachir auf Kurs einer Zeit von unter 2:40 Stunden, bis die Probleme mit seiner Achillessehne jedoch ein flottes Weiterlaufen unmöglich machten. Mehrmals musste er stehen bleiben, lief mehr über die Ferse, um seine Sehne zu entlasten und humpelte die letzten Kilometer mehr als dass er sie laufen konnte. Seine Bestzeit war schnell außer Reichweite geraten, das Finish jedoch nicht. Mit einer großen kämpferischen Leistung schaffte er es nach 2:56:02 Stunden zwar weit ab seiner Ambitionen, aber immerhin zum dritten Mal unter drei Stunden ins Ziel.

 

4. Marathon 2019, 29. Marathon insgesamt für Joachim

 

Ebenfalls seinen vierten Marathon lief Joachim – allerdings in diesem Jahr. Nach Paris und Düsseldorf im Frühjahr sowie dem Marathon du Médoc drei Wochen zuvor, war Berlin die vierte Station über 42,195 Kilometer im Jahr 2019. Nach Rennhälfte lag auch Joachim noch auf Kurs einer neuen Bestzeit. In exakt 96 Minuten passierte er die Halbmarathon-Marke. Mit zunehmender Renndistanz musste sich der Routinier jedoch immer mehr von seinem angepeilten Tempo verabschieden und verlor einige Minuten Richtung Brandenburger Tor und Ziellinie seines 29. Marathons. Dennoch zeigte er mit 3:21:41 Stunden eine beachtliche Leistung und verpasste seine schnellste Zeit des Jahres nur um zwei Minuten.

 

Katharina gelingt Marathon-Debüt nach idealer Vorstellung

 

Trotz Debüts lief Katharina ein Rennen, das eine Menge Routine ausstrahlte. Mit dem Ziel einer Zeit unter 3:45 Stunden stand sie am Start und überschritt rund eine Viertelstunde nach Kenenisa Bekele und Co. die Startlinie. Fünf-Kilometer-Abschnitte von 26:40 Minuten war das Ziel für die 21-Jährige. Wie ein Uhrwerk hielt sich Katharina an ihre eigenen Vorgaben und blieb mit der Halbmarathon-Bestzeit vom Boden-Marathon wenige Wochen zuvor geduldig und optimistisch bis in die Endphase des Marathons. Nach 1:52:12 Stunden stoppte für sie die Uhr nach Rennhälfte - perfekt im Plan. Bis Kilometer 25 betrug ihr virtueller Vorsprung immer wenige Sekunden. Danach bekam sie so langsam die Strapazen des Marathons zu spüren, die Kilometer für Kilometer zunahmen. Die folgen drei Fünf-Kilometer-Abschnitte war immer noch keine Spur von Einbruch, dennoch verlor sie konstant Sekunde um Sekunde auf ihre Zielzeit. Aus Sekunden wurde schließlich fast genau eine Minute, die bei der 40-Kilometer-Marke fehlte. Mit dem Brandenburger Tor und der Ziellinie zuerst im Kopf und dann schon bald im Blick mobilisierte sie nochmals alle Kräfte und lief zum Ende des Marathons die zwei mit Abstand schnellsten Kilometer ihres Rennens. Nach 3:44:53 Stunden blieb die Uhr stehen – Punktlandung! Damit erreichte Katharina genau das, was sie sich vorgenommen hatte und finishte unter allen gut 46.000 Startern unter den 2.000 schnellsten Frauen.

 

Dass ein guter Marathon nicht automatisch aus guten Leistungen über die kürzeren Distanzen resultiert, seine eigenen Gesetze hat und erst vorbei ist, wenn er vorbei ist, bekamen die drei Roadrunners an diesem Tag erneut eindrucksvoll zu spüren. Im Guten wie im Schmerzhaften. Marathon als die größte Herausforderung für Läufer bezeichnet treffenderweise nicht nur Top-Läufer Philipp Pflieger, dem genau diese leider erneut zum Verhängnis wurde und verletzungsbedingt aussteigen musste.

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