Great Scottish Run 2018: windig, großartig & einzigartig

04/10/2018

 

Nicht nur die schnellste Halbmarathon-Zeit der Teamgeschichte prägte die Reise des Teams nach Schottland. 30.000 Läufer gingen beim Great Scottish Run 2018 an den Start.

 

Schottland, eines der schönsten Länder Europas, spielte in der Teamgeschichte bereits seit 2016 immer wieder eine Rolle: erst durch mehrere Starts von Natalie Wangler und Jonas Müller, die dort nicht nur ihr Auslandssemester verbrachten, sondern auch sportlich für Furore sorgten, nun durch die Reise großer Teile des Teams in die schöne schottische Hauptstadt Edinburgh.

 

Vier Tage lang wurde Edinburgh erkundet. An Edinburghs Hausberg Arthur’s Seat, der inmitten des Holyrood Parks 251 Metern in die Höhe ragt, ging es dabei genauso vorbei wie an zahlreichen weiteren Sehenswürdigkeiten der Stadt. Bekannte Orte und Insider-Tipps wurden besucht, womit man der einzigartigen schottischen Kultur näherkam. Das sportliche Highlight der Reise stellte jedoch natürlich nicht der Stadionbesuch bei den Tabellenführern der schottischen Fußballliga, den Hearts of Midlothian, dar, sondern der Great Scottish Run.

 

30.000 Läufer hatten für den Lauf durch die mit rund 600.000 Einwohner größte Stadt Schottlands gemeldet. Neben der beliebten Halbmarathon-Distanz, auf der seit jeher absolute Weltklasse-Athleten an den Start gehen, wurde auch ein 10-Kilometer-Lauf angeboten, der ebenfalls sehr hochklassig besetzt war. Vom Rathaus am George Square führten beide Strecken hin zum rund 1,5 Kilometer entfernten Glasgow Green, einem der größten Parks der Stadt. Pünktlich zum Start des 10-Kilometer-Rennens um 9:45 Uhr hatten sich tausende Läufer versammelt. Der Blick auf die erste steile Rampe, die bereits nach rund 300 Metern anstand, ließ ein anstrengendes, welliges Rennen befürchten. Auch wenn die Strecke auch auf den folgenden Kilometern nicht ausschließlich flach, sondern immer wieder wellig verlaufen sollte, blieben die 10-Kilometer-Läufer um Bärbel Brucker und Ulrike Müller-Benouaret von einer zweiten „Wand“ verschont. So erreichten Bärbel und Ulrike das Ziel nach 57:54 bzw. 60:45 Minuten. Ihre Bestzeit konnte Bärbel so um fast zwei Minuten verbessern.

 

Kurz nach deren Zieleinlauf im Glasgow Green machten sich am George Square die nächsten Roadrunners für ihr großes Rennen durch Glasgow bereit. Natalie Wangler ging dabei als eine von wenigen Elite-Athletinnen ganz vorne startend mit Marathon-Weltmeisterin Rose Chelimo und der Kenianerin Mare Dibaba, Bronze-Medaillen-Gewinnerin über die Marathondistanz bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 und Marathon-Weltmeisterin von 2015, ins Rennen. Ein paar Meter dahinter starteten mit Bachir Benouaret und Michael Schrempp die beiden männlichen Teamkollegen, mit denen an diesem Tag am meisten zu rechnen war. Die weiteren Roadrunners um Jonas Müller folgten ebenfalls ein paar Meter hinter den Elite-Läufern. Um 11:30 Uhr fiel bei windigen, inzwischen aber regenlosen Bedingungen der erste Startschuss für alle Roadrunners und rund 20.000 Halbmarathon-Läufer. Im Abstand von zehn Minuten wurden die Wellen zwei und drei gestartet. Das Feld setzte sich die St. Vincent Street hinauf unter dem Applaus tausender Zuschauer in Bewegung.

 

Die Strecke führte die Läufer in den Südwesten der Stadt, wo nach fünf Meilen der Pollok Park erreicht wurde, der mehrere Anstiege mit sich brachte. Knapp fünf Kilometer und somit drei Meilen später durchlief das Läuferfeld den Bellahouston Park und erreichte so den westlichsten Punkt der Strecke. Am Ibrox Stadium, der Heimat der Glasgow Rangers, vorbei ging es fortan gen Nordosten. Bei Kilometer 18 wurde die Clyde Arc, eine imposante Brücke über den Fluss Clyde, überquert. Während Bachir und Michael auf der letzten Meile um jede Sekunde liefen und sich für die letzten Meter nach etlichen gemeinsamen Kilometern trennten, gab Jonas Müller weiter hinten den verbalen Startschuss für die Schlussoffensive von Florian Walz und Daniel Zahn. Beide waren mit dem Ziel angereist erstmals unter 80 Minuten zu bleiben. Über 67 Minuten hinweg hatte das aus Florian, Daniel und Jonas bestehende Trio bis dahin nur wenige Meter und Sekunden getrennt. Nun galt es jedoch die letzten Reserven zu mobilisieren, um das Ziel von 1:19:59 Stunden oder schneller zu realisieren. Der verbale Startschuss zeigte Wirkung. Florian erhöhte das Tempo spürbar, Daniel und Jonas ebenfalls leicht. An der Wall of Support und dem 9-Kilometer-Schild des 10-Kilometer-Laufs vorbei, stürmten die Drei in Richtung des Glasgow Greens. Die sich dort befindende Ziellinie hatten Bachir und Michael zu diesem Zeitpunkt bereits überquert. In 1:14:42 Stunden zeigte besonders der Algerier eine herausragende Leistung. Nach Jonas Müllers Halbmarathon in 1:14:53 Stunden im vergangenen Jahr in Köln, lief er somit als zweites Teammitglied vor Ablauf der 75 Minuten ins Ziel. Michael folgte in tollen 1:15:03 Stunden wenige Meter dahinter, womit auch er seine Bestzeit verbessern und als erster Deutscher das Ziel erreichen konnte. Bachir meinte nach dem Rennen: „Der schottische Wind und die doch recht wellige Strecke haben es uns heute nicht einfach gemacht. Michael und ich sind lange Zeit gemeinsam gelaufen, am Ende ging es natürlich um jede Sekunde. Ich freue mich riesig, dass es für das Team so gut gelaufen ist.“

 

Der gespannte Blick des schnellen Duos ging nun gemeinsam mit den im Ziel wartenden Teamkollegen in Richtung des McLennan Archs, durch den die Läufer auf die Zielgerade einbogen. Noch bevor die Uhr auf 1:19:00 Stunden umsprang, schoss das erwartete Trio hindurch. Ein paar Sekunden später finishte Florian nach 1:19:26 Stunden, Daniel nach 1:19:35 Stunden und Jonas nach 1:19:46 Stunden. Während von Florian und Daniel die ersehnte Zeit unter 1:20 Stunden unter dem Jubel der Zuschauer und Teamkollegen erreicht wurde, konnte sich auch Jonas über seine Leistung freuen. 1:19:46 Stunden, wahrlich nicht das, was man von einem Läufer erwarten kann, der ein Jahr zuvor noch 1:14:53 Stunden gelaufen war, in Anbetracht seiner Verletzungsprobleme der vergangenen Monate aber eine erstklassige, für manch einen sogar überraschend gute Leistung. Natalie Wangler folgten den fünf männlichen Teamkollegen nach 1:22:00 Stunden als 14. Frau und erste Deutsche. Auch sie unterbot ihre Bestzeit. Diese verpasste nach einer starken kämpferischen Leistung Sören Hetzel. Der Zunsweirer finishte neun Sekunden nach Ablauf seiner im Frühjahr in Berlin aufgestellten Bestzeit nach 1:23:30 Stunden. Nach 1:35:54 Stunden erreichte Joachim Schlaier, der erst zwei Wochen zuvor beim Berlin-Marathon überzeugt hatte, das Ziel. Kurz darauf folgte Manuel Geiler in 1:42:23 Stunden. Die weiteren mitgereisten Roadrunners gingen nicht an den Start, schließlich hatte etwa Hubert Müller zwischen seinem 23. Marathon, den er in Niederösterreich im Rahmen des Wachau-Marathons lief, und dem Great Scottish Run nur sieben Tage Regeneration, was einen Start in Glasgow verhinderte. Unabhängig, ob auf oder an der Strecke trugen alle mitgereisten Roadrunners ihren Teil zum Erfolg der Reise bei. Als „pretty hard“ bezeichnete Patrick Brucker schon 2016 ein Rennen, bei dem er in Edinburgh teilnahm und zur 5-Kilometer-Bestzeit lief. Auch auf den Great Scottish Run 2018 traf dieser Kommentar zu. Nichtsdestotrotz wird das windige, großartige und einzigartige Land im Norden Großbritanniens die Teamgeschichte wohl auch in Zukunft prägen.

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